Multiplikatoren und Flüchtlinge

tauschten sich aus

Josefstag mit Weihbischof Gebert beim Jugendmigrations-

dienst der Caritas in Mayen

4.4.2019 | „Hände reichen – Brücken bauen! Jugend braucht Perspektive in Europa“ lautete das Motto des diesjährigen Josefstags, der stets zum Fest des Heiligen Josef, Schutzpatron der Arbeiter und Jugendlichen, stattfindet. Es war ein reger Austausch von Ashakan, Sadiq und Mohammed mit Vertretern aus Politik und Kirche: Weihbischof Franz Josef Gebert, Landtagsabgeordnete Hedi Thelen, Kreisbeigeordneter Rolf Schäfer, Martina Luig-Kaspari, Uwe Berens, Max Göke, Martin Reis, Pastoralreferent David Morgenstern, Caritasrat- Vorsitzender Hugo Nowicki und Caritasverband-Vorsitzender Christoph Schmitz. | Foto: E.T. Müller Beim Jugendmigrationsdienst (JMD) des Caritasverbands Rhein-Mosel-Ahr trafen im Caritas-Mehrgenerationenhaus St. Matthias in Mayen junge Flüchtlinge auf Ver- treter aus Kirche, Politik und Gesellschaft. So kamen u.a. der Trierer Weihbischof Franz Josef Gebert, Vorsitzender des Caritasverbandes Trier, Landtagsabgeordnete Hedi Thelen CDU, oder Kreisbeigeordneter Rolf Schäfer SPD, mit ihnen ins Gespräch. „Obwohl Fremdheit erst einmal Angst macht, gilt es diese zu überwinden und Brücken zu bauen“, forderte Weihbischof Gebert, der auch Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes ist. Mit Blick auf die bevorstehende Europa-Wahl betonte er: „Der Frieden ist nicht selbstverständlich, da muss man etwas für tun.“ Beim JMD werden junge Menschen aus 65 Ländern im Alter von 12 bis 26 Jahren betreut. Sie erhalten kostenlose Beratung und Unterstützung, beispielsweise in aufenthalts¬rechtlichen Fragen, in Krisensituationen oder in der Sprachförderung. „Alle, die in unsere freiwillige Beratung kommen, haben feste Ziele, aber nicht alle haben die Möglichkeit, diese zu erreichen“, beschrieb Sonja Lauterbach vom JMD die Situation vieler junger Menschen. Drei Lebenslinien wurden an dem Nachmittag sichtbar, als Sadiq aus Somalia, Ashakan aus Afghanistan und Mohammed aus Syrien von ihrer Flucht und von ihren schlechten aber auch guten Erfahrungen in Europa mit seinen Grenzen berichteten. 12 Jahre hatte Sadiq in Somalia das Gymnasium besucht und lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Doch in Dänemark registriert droht ihm als sogenannter „Dublin Fall“ die Abschiebung dorthin. Mit einem Ausbildungsplatz jedoch, so Markus Göpfert, Leiter des Caritas-Fachdienstes Migration, könnte er in Deutschland bleiben. Der 18-jährige Ashakan hat bereits einen Ausbildungsplatz und kann im August mit seiner Lehre zum Metallbauer beginnen. Zu seinen Eltern allerdings hat er keinen Kontakt, da die Taliban auch die technische Infrastruktur des Landes zerstört haben. An einen afghanischen Pass kann er aufgrund der politischen Verhältnisse in seiner Heimat ebenfalls nicht kommen und so auch nicht seine Familien- angehörigen in Schweden besuchen. Über die Landesgrenze hinweg nach Nordrhein-Westfalen gab es für Mohammed – 23 Jahre – keine Brücke zum ersehnten Medizinstudium. Ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Universitätsklinik Bonn scheiterte, da er aufgrund seines Aufenthalts- status nicht im Nachbarbundesland wohnen durfte und eine Fahrkarte nach Bonn für ihn unerschwinglich war, so Ania Sikkes vom JMD. Jetzt macht er eine Ausbildung im IT-Bereich in Bad Kreuznach. „Mir macht das Spaß“, erklärte der junge Mann lächelnd. Immer wieder sind bürokratische Hürden zu überwinden, wenn etwa ein Praktikums- oder Ausbildungsplatz gefunden ist. „Wie komme ich zur Berufsschule, wer trägt die Kosten?“, benannte Schulsozialarbeiterin Anna Ziegler zwei Probleme. „Da sind eben keine Eltern, die einen unterstützen“, gab Sonja Lauterbach zu bedenken. „Einen Führerschein zu machen ist nicht nur aus Kostengründen fast unmöglich, sondern auch, weil wichtige Papiere fehlen, die nicht einfach beschafft werden können“, zeigte sie ein weiteres Problem auf. Sind Dokumente nicht zu beschaffen, können Schülerinnen und Schüler auch nicht an Klassenfahrten oder Schüleraustauschen teilnehmen. „Es wäre schön, wenn es hier Ausnahme- regelungen und pragmatische Lösungen geben könnte“, wünschte sich Markus Göpfert in Richtung Politik. Viele behördliche Hürden, mit denen Flüchtlinge und der Caritas-Migrationsdienst zu tun haben, kamen auf den Tisch. „Dies war sehr anschaulich“, urteilte Weihbischof Gebert. Und das ist ja auch der Sinn des Josefstags, für Probleme junger Flüchtlinge zu sensibilisieren. Der Josefstag ist eine Aktion der Initiative „Arbeit für alle“ des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Bischofskonferenz (afj) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS). Mehr dazu auf www.josefstag.de

Multiplikatoren und Flüchtlinge

tauschten sich aus

Josefstag mit Weihbischof

Gebert beim Jugendmigrations-

dienst der Caritas in Mayen

4.4.2019 | „Hände reichen – Brücken bauen! Jugend braucht Perspektive in Europa“ lautete das Motto des diesjährigen Josefstags, der stets zum Fest des Heiligen Josef, Schutzpatron der Arbeiter und Jugendlichen, stattfindet. Es war ein reger Austausch von Ashakan, Sadiq und Mohammed mit Vertretern aus Politik und Kirche: Weihbischof Franz Josef Gebert, Landtagsabgeordnete Hedi Thelen, Kreisbeigeordneter Rolf Schäfer, Martina Luig-Kaspari, Uwe Berens, Max Göke, Martin Reis, Pastoralreferent David Morgenstern, Caritasrat- Vorsitzender Hugo Nowicki und Caritasverband- Vorsitzender Christoph Schmitz. | Foto: E.T. Müller Beim Jugendmigrationsdienst (JMD) des Caritasverbands Rhein-Mosel-Ahr trafen im Caritas-Mehrgenerationenhaus St. Matthias in Mayen junge Flüchtlinge auf Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft. So kamen u.a. der Trierer Weihbischof Franz Josef Gebert, Vorsitzender des Caritasverbandes Trier, Landtagsabgeordnete Hedi Thelen CDU, oder Kreisbeigeordneter Rolf Schäfer SPD, mit ihnen ins Gespräch. „Obwohl Fremdheit erst einmal Angst macht, gilt es diese zu überwinden und Brücken zu bauen“, forderte Weihbischof Gebert, der auch Vorsitzender des Diözesan- Caritasverbandes ist. Mit Blick auf die bevorstehende Europa-Wahl betonte er: „Der Frieden ist nicht selbstverständlich, da muss man etwas für tun.“ Beim JMD werden junge Menschen aus 65 Ländern im Alter von 12 bis 26 Jahren betreut. Sie erhalten kostenlose Beratung und Unterstützung, beispielsweise in aufenthalts¬rechtlichen Fragen, in Krisensituationen oder in der Sprach- förderung. „Alle, die in unsere freiwillige Beratung kommen, haben feste Ziele, aber nicht alle haben die Möglichkeit, diese zu erreichen“, beschrieb Sonja Lauterbach vom JMD die Situation vieler junger Menschen. Drei Lebenslinien wurden an dem Nach- mittag sichtbar, als Sadiq aus Somalia, Ashakan aus Afghanistan und Mohammed aus Syrien von ihrer Flucht und von ihren schlechten aber auch guten Erfahrungen in Europa mit seinen Grenzen berichteten. 12 Jahre hatte Sadiq in Somalia das Gymnasium besucht und lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Doch in Dänemark registriert droht ihm als sogenannter „Dublin Fall“ die Abschiebung dorthin. Mit einem Ausbildungsplatz jedoch, so Markus Göpfert, Leiter des Caritas-Fachdienstes Migration, könnte er in Deutschland bleiben. Der 18-jährige Ashakan hat bereits einen Ausbildungsplatz und kann im August mit seiner Lehre zum Metallbauer beginnen. Zu seinen Eltern allerdings hat er keinen Kontakt, da die Taliban auch die technische Infrastruktur des Landes zerstört haben. An einen afghanischen Pass kann er aufgrund der politischen Verhältnisse in seiner Heimat ebenfalls nicht kommen und so auch nicht seine Familienangehörigen in Schweden besuchen. Über die Landesgrenze hinweg nach Nordrhein-Westfalen gab es für Mohammed – 23 Jahre – keine Brücke zum ersehnten Medizinstudium. Ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Universitätsklinik Bonn scheiterte, da er aufgrund seines Aufenthaltsstatus nicht im Nachbarbundesland wohnen durfte und eine Fahrkarte nach Bonn für ihn unerschwinglich war, so Ania Sikkes vom JMD. Jetzt macht er eine Ausbildung im IT- Bereich in Bad Kreuznach. „Mir macht das Spaß“, erklärte der junge Mann lächelnd. Immer wieder sind bürokratische Hürden zu überwinden, wenn etwa ein Praktikums- oder Ausbildungsplatz gefunden ist. „Wie komme ich zur Berufsschule, wer trägt die Kosten?“, benannte Schulsozialarbeiterin Anna Ziegler zwei Probleme. „Da sind eben keine Eltern, die einen unterstützen“, gab Sonja Lauterbach zu bedenken. „Einen Führerschein zu machen ist nicht nur aus Kostengründen fast unmöglich, sondern auch, weil wichtige Papiere fehlen, die nicht einfach beschafft werden können“, zeigte sie ein weiteres Problem auf. Sind Dokumente nicht zu beschaffen, können Schülerinnen und Schüler auch nicht an Klassenfahrten oder Schüleraustauschen teilnehmen. „Es wäre schön, wenn es hier Ausnahme- regelungen und pragmatische Lösungen geben könnte“, wünschte sich Markus Göpfert in Richtung Politik. Viele behördliche Hürden, mit denen Flüchtlinge und der Caritas-Migrationsdienst zu tun haben, kamen auf den Tisch. „Dies war sehr anschaulich“, urteilte Weihbischof Gebert. Und das ist ja auch der Sinn des Josefstags, für Probleme junger Flüchtlinge zu sensibilisieren. Der Josefstag ist eine Aktion der Initiative „Arbeit für alle“ des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Bischofskonferenz (afj) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS). Mehr dazu auf www.josefstag.de