Psychotherapeutische Gespräche und

Beratung „zu Dritt“ am Telefon

Erfahrungen aus dem PSZ Mainz zur telefonischen

Begleitung geflüchteter Menschen mithilfe von

Sprachmittler*innen während der Coronakrise

von Petra Mattes

3.4.2020 | Viele derzeit in Deutschland lebende Menschen mit Fluchthintergrund verfügen nicht über ausreichende Sprachkenntnisse, um auf Deutsch Psycho- therapie und psychosoziale Beratung in Anspruc h nehmen zu können. Gleichzeitig gibt es nur sehr beschränkt muttersprachliche Angebote im Sozial- und Gesund- heitssektor durch entsprechend sprachkompetente Berater*innen und Psycho- therapeut*innen. Häufig kann auch auf Englisch als gemeinsam gesprochene Sprache nicht zurückgegriffen werden. Daher gibt es vor allem in den PSZs bundesweit bereits eine gut etablierte Praxis der psychotherapeutischen und psychosozialen Versorgung von Klient*innen mithilfe speziell in diesem Bereich geschulter Sprachmittler*innen. Informationen zur „Therapie zu dritt“ finden sich beispielsweise auf den Internetseiten der Koordinierungsstelle für die inter- kulturelle Öffnung des Gesundheitssystems in RLP oder der BAfF. Da psychotherapeutische Gespräche und psychosoziale Beratung aktuell aufgrund der im Zuge der Coronakrise notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln vielerorts nur in Form von Videokonferenzen oder Telefongesprächen möglich sind, gilt es nun, die im Face-to-Face-Kontakt gewonnenen Erfahrungen Sprachmittler*innen- gestützter Angebote mit den Standards guter Video- oder Telefonangebote zu verbinden. Gute Erfahrungen werden hier bereits bei videogestütztem Dolmetschen berichtet – allerdings unter dem Setting, dass sich Behandler*in/Berater*in und Patient*in/Klient*in in der Regel im selben Raum befinden und dann ein Sprach- mittler*in zugeschaltet wird. Dies ist jedoch in der aktuellen Situation keine Lösung. Im PSZ Mainz bieten wir daher unseren Klient*innen an, psychotherapeutische Gespräche und psychosoziale Beratung bei Bedarf per Telefonkonferenz unter Einsatz unserer Sprachmittler*innen durchzuführen. Das PSZ kann hierbei auf seinen eigenen Pool geschulter Sprachmittler*innen zurückgreifen. Technisch ist dies gut möglich, da sowohl Sprachmittler*innen wie auch Klient*innen fast durchweg über Smartphones verfügen und durch den Anruf von Seiten der PSZ- Mitarbeiter*innen für die Gesprächsteilnehmer*innen keine Kosten anfallen. Gerne berichten wir über einige unserer im Verlauf der letzten Wochen mit dieser Angebotsform gemachten Erfahrungen und aufgetauchten Fragen aus unserem multiprofessionellen Team. Technisches. Smartphones verfügen über die Möglichkeit, mehrere Gesprächs- teilnehmer*innen in Form einer Telefonkonferenz zusammenzuführen. Dies ist auf Android-Geräten und auf iPhones unterschiedlich benannt – wie es funktioniert kann leicht online in Erfahrung gebracht werden. Vor allem für die Sprach- mittler*innen wichtig ist es, ihre Handys vor der Konferenzschaltung auf „anonym“ zu stellen bzw die eigene Rufnummer zu unterdrücken, so dass ihre Nummer den Klient*innen während des Gespräches nicht angezeigt wird. Auch hier lohnt ein Blick ins Internet, wie es für das jeweilige Gerät funktioniert. Wichtig ist es zudem für alle Beteiligten, einen Ort zu finden, wo eine gute Telefonverbindung besteht. Vorbereitung der Gespräche. Bei der ganz überwiegenden Zahl der telefonischen „Therapien zu dritt/Beratungen zu dritt“ in den letzten Wochen handelt es sich um die Fortführung von Kontakten mit Menschen, die bereits Klient*innen des PSZ sind, und mit denen bereits mindestens ein Face-to-Face Kontakt mit Therapeut*in/Berater*in und Sprachmittler*in in den Räumen des PSZ stattgefunden hatte vor Ausbruch des Virus und den Folgemaßnahmen. Schon direkt nach Schließung der Einrichtung für den Publikumsverkehr galt die Vereinbarung, die Klient*innen in dieser Krisensituation nicht allein zu lassen, sondern nach Möglichkeit telefonisch Kontakt zu halten. Bereits vereinbarte Face- to-Face-Termine mit den Klient*innen wurden durch die jeweilige Fachkraft telefonisch abgesagt, ebenso wurde den Sprachmittler*innen abgesagt. Diese Telefonate boten bereits Gelegenheit, neben einem offenen Ohr für die veränderte Lebenssituation und die damit einhergehenden Sorgen und Fragen beider auch die Frage einer Weiterbegleitung während der Krisenzeit anzusprechen. Konkret fragten wir die Sprachmittler*innen, ob sie bereit seien, ein Dolmetschen via Telefonkonferenz gemeinsam auszuprobieren. Ebenso boten wir den Klient*innen an, dies auszuprobieren – was von der überwiegenden Mehrzahl direkt dankbar angenommen wurde. Daraufhin vereinbarten wir gemeinsame Telefontermine. Da einige Klient*innen nicht durchgängig Guthaben auf ihren Handys haben, sind sie nicht immer gleich erreichbar. Hier hat es sich als sinnvoll erwiesen, immer mal wieder zu versuchen, Kontakt aufzunehmen – auch wenn es manchmal erst mit Verzug gelang, so sind die Menschen doch sehr dankbar, wenn ein Gespräch zustande kommt. Im PSZ Mainz vereinbaren wir mittlerweile regelmäßige Folgegespräche im Sinne einer Weiter- führung kontinuierlicher Therapien und Beratungen. Sprachmittler*in. Wie erwähnt ist es wichtig, dass die persönlichen Daten der Sprachmittler*in geschützt sind – hier also die Rufnummernunterdrückung funktioniert. Darüber hinaus finden wir es nützlich, vor dem ersten gemeinsamen Telefonat mit der Klient*in noch einmal einige Regeln guten Dolmetschens miteinander ins Gedächtnis zu rufen, z.B. wörtliches Übersetzen in kurzen Sequenzen, eindeutiges Stopp wenn es – inhaltlich oder quantitativ – zu viel wird, nicht gleichzeitig sprechen, nachfragen wenn akustisch oder sprachlich etwas nicht verstanden wurde… Im PSZ Mainz planen wir regelhaft Zeit für die Nach- besprechung jeder Sitzung mit der Sprachmittler*in ein. Dies erweist sich in der für alle Teilnehmer*innen neuen Gesprächs- und Lebenssituation derzeit als besonders wichtig. Viele unserer Sprachmittler*innen brauchen Raum für eigene Betroffenheit und Fragen in der Krise, sind selbst sehr verunsichert und emotional aufgewühlt. Zusätzlich fällt es ihnen manchmal schwer, die Klient*innen wieder „gehen lassen zu müssen“ in dieser Situation. In der Regel führen die Sprachmittler*innen die Telefonate selbst vom Homeoffice aus, so dass es auch wichtig ist, gemeinsam zu besprechen, wie für die Zeit des Telefonats und auch im Anschluss daran Ruhe und Ungestörtheit möglich gemacht werden können, so dass nicht nur das Telefonat gut durchgeführt werden kann, sondern auch noch etwas Zeit bleibt, wieder vom Gehörten zum Alltag – oft inmitten der Familie – umzuswitchen. Inhalte. Gerade diejenigen Menschen, die in der aktuellen Krisensituation kein Deutsch (oder englisch) sprechen, haben viele Fragen rund um das Coronavirus und die dadurch erforderlich werdenden Hygienemaßnahmen und Anordnungen der Behörden. Sie nehmen – so unser Eindruck – die Bedrohung durch das Virus sehr ernst und sind sehr bemüht, alle geltenden Regeln gut einzuhalten. Viele haben Angst, sich bei der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel anzustecken. Sehr große Ängste sind bei denjenigen vorhanden, die in Gemeinschaftsunterkünften leben (müssen). Leider sind viele Fragen, die sonst kompetent von anderen Anlaufstellen z.B. zu den Themen Arbeit, Aufenthalt, Wohnen bearbeitet werden, jetzt aufgrund von Schließungen nicht mehr direkt stellbar. Hier ist die Verfüg- barkeit einer Sprachmittler*in eine große Erleichterung für unsere Klient*innen. Wir machen gute Erfahrungen damit, hier zum einen grundsätzliche Informationen weiterzugeben – aber auch, wie gewohnt, wo immer möglich auf muttersprachliche Angebote und Informationsquellen hinzuweisen oder auf Kolleg*innen, die eben- falls mithilfe von Sprachmittler*innen zu bestimmten Fragestellungen kompetenter Auskunft geben können als wir selbst. Für die Therapeut*innen unter uns, so unser Eindruck, ist es auch im telefonischen psychotherapeutischen Gespräch „zu dritt“ gut möglich und hilfreich, eher sozialarbeiterische oder aufenthaltsrechtliche Fragestellungen weiterzuleiten an die entsprechenden Fachkräfte und dann zu therapeutischen Ansätzen zurückzukehren. Hilfreich sind für uns hier die bereits eingeübte Arbeit im Tandem Sozialpädagogik/Psychotherapie oder Verfahrens- beratung, sowie die bestehenden guten Kontakte zu einer Vielzahl von haupt- und ehrenamtlich arbeitenden Kolleginnen und Kollegen. Therapeutisches. Unabhängig vom schulischen Hintergrund der Therapeut*in finden wir es hilfreich, die Telefonate stark zu strukturieren und eine sehr aktive Gesprächsführung zu verfolgen. Auch zu Beginn der Telefonkonferenz zu dritt, nachdem alle einander begrüßt haben und sich nach der Gesundheit der anderen erkundigt haben, ist es sinnvoll, dass die Therapeut*in (auch die Berater*in) noch einmal die Gesprächsregeln für alle wiederholt – z.B. dass die Aufgabe der Sprachmittler*in ausschließlich das Dolmetschen ist, dass immer nur eine Person auf einmal redet, dass bei Verwirrung zum Beispiel nachgefragt wird… Sowohl für die Beratung wie auch insbesondere für die Therapie gilt, dass es gut ist zu betonen, dass von Seiten der Therapeut*in und der Sprachmittler*in aus ausreichend Zeit zur Verfügung steht für die Fragen, Sorgen und Gesprächs- wünsche der Klient*in. Viele Klient*innen scheinen zu erwarten, dass ein Telefon- kontakt zu dritt automatisch kurz sein wird und man so schnell wie möglich konkrete Inhalte besprechen muss, um die Zeit der Sprachmittler*in wie auch der Therapeutin nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen. Ein entlastender Hinweis kann hier sein, dass es sich bei dem Telefonat für Therapeut*in sowie Sprach- mittler*in ja – wie bei Face-to-Face-Kontakt auch, um für beide (bezahlte) Arbeitszeit handelt. Mit manchen Klient*innen ist es aber auch wichtig, eine ungefähre Maximalzeit des Telefonats anzugeben, damit sie sich nicht verlieren im Gespräch. Ein gutes Gespür der Therapeut*in für die aktuelle emotionale Belastung des Gegenübers (auch die der Sprachmittler*in) ist sehr nützlich, um einzuschätzen, inwieweit unter diesen Umständen schwierige Inhalte vertieft werden können, da ja ein „Auffangen“ in dieser Konstellation kaum möglich ist. Trotzdem scheint es wichtig, dass auch Schweres und Schwerstes, wie zum Beispiel die Sorge um Angehörige in den Herkunftsländern oder in anderen Fluchtländern zur Sprache kommen darf – oder die Verschiebung lang herbeigesehnter oder befürchteter Termine wie Terminen bei den Botschaften im Rahmen der Familienzusammen- führung, Härtefallkonferenzen oder Gerichtstermine. Wenn hier Formulierungen gefunden werden können von der Therapeut*in, ihre Anteilnahme in Worte zu fassen – und dann aber wieder z.B. zu konkreten Fragestellungen des Tages überzugehen, so können die Klient*innen dem in der Regel gut folgen zu können und scheinen entlastet. Konkrete Hilfen zur Tagesstrukturierung, Einüben von Entspannungsübungen, Aktivitätenaufbau in- und außerhalb des Hauses (zB Spaziergänge, Joggen, Malen, Erstellen von Audios und Videos, Online-Deutschlernangebote) im Sinne von therapeutischen Hausaufgaben sind Anregungen, die die Klient*innen gerne aufnehmen. Psychoedukative Elemente zum Zusammenhang von körperlicher Bewegung, Nahrung, „frischer Luft“ und der Stärkung des Immunsystems stoßen auf großes Interesse – ein Basiswissen dazu ist nicht in jedem Fall voraus zu setzen. Viele Geflüchtete scheinen jetzt zu denken, dass bereits der Aufenthalt im Freien gefährlich ist und ziehen sich ganz in ihre Wohnungen zurück – mit den bekannten Gefährdungen für die psychische und physische Gesundheit. Wir haben daher gute Erfahrungen damit gemacht, die Gespräche mit der Frage zu eröffnen, wo die Klient*in sich gerade befindet, wie es ihr in dieser Zeit der Corona-Krise gerade geht, was sie zu der Gefährdung durch den Virus und die Folgemaßnahmen denkt und wie sie oder er infolge dessen gerade den persönlichen Alltag gestaltet. Dabei erscheint es besonders in dieser Gesprächskonstellation gut anzukommen, wenn wir darauf hinweisen, dass sowohl die Gesamtsituation wie auch die spezielle Gesprächssituation „Telefontherapie zu dritt“ für alle Beteiligten neu ist, auch für die Therapeut*in, und somit die Kompetenzen aller drei gebraucht werden, damit das Vorhaben gelingen kann. Zusammenfassendes. Zusammenfassend möchten wir ermutigen, im sozial- pädagogischen wie auch im psychotherapeutischen Kontext Telefonate mit geflüchteten Menschen unter Einsatz von Sprachmittler*innen anzubieten. Viele Geflüchtete sind sehr alleingelassen in dieser Krisensituation, und der deutschen Sprache noch nicht ausreichend mächtig zu sein verstärkt Verwirrung, Angst und psychische Belastung in der Regel massiv. Fast alle derjenigen, denen wir unser Gesprächsangebot ermöglichen konnten, wollten dieses daher auch in Anspruch nehmen. Die Rückmeldungen derjenigen Klient*innen, die bereits Telefonate zu dritt erlebt haben, sind durchweg positiv. Erfreulicherweise trifft dies auch zu für die Rückmeldungen unserer Sprachmittler*innen. Für uns als Berater*innen und Psychotherapeut*innen verlangt die ungewohnte Kommunikationsform einiges an Umstellung und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Dies ist nicht ganz einfach in dieser Zeit, in der wir selbst ja auch mittendrin sind in Unsicherheit und Krise. Gleichzeitig ist aber guter Kontakt möglich, Gemeinsamkeit, Hilfreich sein können für andere, und gar nicht so selten sogar auch mal „Lachen zu dritt“. Auch für uns Helfende eine gute Erfahrung… Herzliche Grüße Petra Mattes Diplom-Psychologin | Psychosoziales Zentrum für Flucht und Trauma des Caritasverbands Mainz e.V.

Psychotherapeutische

Gespräche und Beratung „zu

Dritt“ am Telefon

Erfahrungen aus dem PSZ Mainz

zur telefonischen Begleitung

geflüchteter Menschen mithilfe

von Sprachmittler*innen

während der Coronakrise

von Petra Mattes

3.4.2020 | Viele derzeit in Deutschland lebende Menschen mit Fluchthintergrund verfügen nicht über ausreichende Sprach- kenntnisse, um auf Deutsch Psychotherapie und psychosoziale Beratung in Anspruc h nehmen zu können. Gleichzeitig gibt es nur sehr beschränkt muttersprachliche Angebote im Sozial- und Gesundheitssektor durch entsprechend sprachkompetente Berater*innen und Psychotherapeut*innen. Häufig kann auch auf Englisch als gemein- sam gesprochene Sprache nicht zurück- gegriffen werden. Daher gibt es vor allem in den PSZs bundesweit bereits eine gut etablierte Praxis der psychotherapeutischen und psychosozialen Versorgung von Klient*innen mithilfe speziell in diesem Bereich geschulter Sprachmittler*innen. Informationen zur „Therapie zu dritt“ finden sich beispielsweise auf den Internetseiten der Koordinierungsstelle für die inter- kulturelle Öffnung des Gesundheitssystems in RLP oder der BAfF. Da psychotherapeutische Gespräche und psychosoziale Beratung aktuell aufgrund der im Zuge der Coronakrise notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln vielerorts nur in Form von Videokonferenzen oder Telefon- gesprächen möglich sind, gilt es nun, die im Face-to-Face-Kontakt gewonnenen Erfahrungen Sprachmittler*innen-gestützter Angebote mit den Standards guter Video- oder Telefonangebote zu verbinden. Gute Erfahrungen werden hier bereits bei videogestütztem Dolmetschen berichtet – allerdings unter dem Setting, dass sich Behandler*in/Berater*in und Patient*in/Klient*in in der Regel im selben Raum befinden und dann ein Sprach- mittler*in zugeschaltet wird. Dies ist jedoch in der aktuellen Situation keine Lösung. Im PSZ Mainz bieten wir daher unseren Klient*innen an, psychotherapeutische Gespräche und psychosoziale Beratung bei Bedarf per Telefonkonferenz unter Einsatz unserer Sprachmittler*innen durchzuführen. Das PSZ kann hierbei auf seinen eigenen Pool geschulter Sprachmittler*innen zurückgreifen. Technisch ist dies gut möglich, da sowohl Sprachmittler*innen wie auch Klient*innen fast durchweg über Smart- phones verfügen und durch den Anruf von Seiten der PSZ-Mitarbeiter*innen für die Gesprächsteilnehmer*innen keine Kosten anfallen. Gerne berichten wir über einige unserer im Verlauf der letzten Wochen mit dieser Angebotsform gemachten Erfahrungen und aufgetauchten Fragen aus unserem multi- professionellen Team. Technisches. Smartphones verfügen über die Möglichkeit, mehrere Gesprächs- teilnehmer*innen in Form einer Telefon- konferenz zusammenzuführen. Dies ist auf Android-Geräten und auf iPhones unter- schiedlich benannt – wie es funktioniert kann leicht online in Erfahrung gebracht werden. Vor allem für die Sprachmittler*innen wichtig ist es, ihre Handys vor der Konferenz- schaltung auf „anonym“ zu stellen bzw die eigene Rufnummer zu unterdrücken, so dass ihre Nummer den Klient*innen während des Gespräches nicht angezeigt wird. Auch hier lohnt ein Blick ins Internet, wie es für das jeweilige Gerät funktioniert. Wichtig ist es zudem für alle Beteiligten, einen Ort zu finden, wo eine gute Telefonverbindung besteht. Vorbereitung der Gespräche. Bei der ganz überwiegenden Zahl der telefonischen „Therapien zu dritt/Beratungen zu dritt“ in den letzten Wochen handelt es sich um die Fortführung von Kontakten mit Menschen, die bereits Klient*innen des PSZ sind, und mit denen bereits mindestens ein Face-to- Face Kontakt mit Therapeut*in/Berater*in und Sprachmittler*in in den Räumen des PSZ stattgefunden hatte vor Ausbruch des Virus und den Folgemaßnahmen. Schon direkt nach Schließung der Einrichtung für den Publikumsverkehr galt die Verein- barung, die Klient*innen in dieser Krisen- situation nicht allein zu lassen, sondern nach Möglichkeit telefonisch Kontakt zu halten. Bereits vereinbarte Face-to-Face-Termine mit den Klient*innen wurden durch die jeweilige Fachkraft telefonisch abgesagt, ebenso wurde den Sprachmittler*innen abgesagt. Diese Telefonate boten bereits Gelegenheit, neben einem offenen Ohr für die veränderte Lebenssituation und die damit einhergehenden Sorgen und Fragen beider auch die Frage einer Weiter- begleitung während der Krisenzeit anzu- sprechen. Konkret fragten wir die Sprachmittler*innen, ob sie bereit seien, ein Dolmetschen via Telefonkonferenz gemeinsam auszu- probieren. Ebenso boten wir den Klient*innen an, dies auszuprobieren – was von der überwiegenden Mehrzahl direkt dankbar angenommen wurde. Daraufhin vereinbarten wir gemeinsame Telefontermine. Da einige Klient*innen nicht durchgängig Guthaben auf ihren Handys haben, sind sie nicht immer gleich erreichbar. Hier hat es sich als sinnvoll erwiesen, immer mal wieder zu versuchen, Kontakt aufzunehmen – auch wenn es manchmal erst mit Verzug gelang, so sind die Menschen doch sehr dankbar, wenn ein Gespräch zustande kommt. Im PSZ Mainz vereinbaren wir mittlerweile regelmäßige Folgegespräche im Sinne einer Weiter- führung kontinuierlicher Therapien und Beratungen. Sprachmittler*in. Wie erwähnt ist es wichtig, dass die persönlichen Daten der Sprachmittler*in geschützt sind – hier also die Rufnummernunterdrückung funktioniert. Darüber hinaus finden wir es nützlich, vor dem ersten gemeinsamen Telefonat mit der Klient*in noch einmal einige Regeln guten Dolmetschens miteinander ins Gedächtnis zu rufen, z.B. wörtliches Übersetzen in kurzen Sequenzen, eindeutiges Stopp wenn es – inhaltlich oder quantitativ – zu viel wird, nicht gleichzeitig sprechen, nachfragen wenn akustisch oder sprachlich etwas nicht verstanden wurde… Im PSZ Mainz planen wir regelhaft Zeit für die Nachbesprechung jeder Sitzung mit der Sprachmittler*in ein. Dies erweist sich in der für alle Teilnehmer*innen neuen Gesprächs- und Lebenssituation derzeit als besonders wichtig. Viele unserer Sprachmittler*innen brauchen Raum für eigene Betroffenheit und Fragen in der Krise, sind selbst sehr verunsichert und emotional aufgewühlt. Zusätzlich fällt es ihnen manch- mal schwer, die Klient*innen wieder „gehen lassen zu müssen“ in dieser Situation. In der Regel führen die Sprachmittler*innen die Telefonate selbst vom Homeoffice aus, so dass es auch wichtig ist, gemeinsam zu besprechen, wie für die Zeit des Telefonats und auch im Anschluss daran Ruhe und Ungestörtheit möglich gemacht werden können, so dass nicht nur das Telefonat gut durchgeführt werden kann, sondern auch noch etwas Zeit bleibt, wieder vom Gehörten zum Alltag – oft inmitten der Familie – umzuswitchen. Inhalte. Gerade diejenigen Menschen, die in der aktuellen Krisensituation kein Deutsch (oder englisch) sprechen, haben viele Fragen rund um das Coronavirus und die dadurch erforderlich werdenden Hygienemaßnahmen und Anordnungen der Behörden. Sie nehmen – so unser Eindruck – die Bedrohung durch das Virus sehr ernst und sind sehr bemüht, alle geltenden Regeln gut einzuhalten. Viele haben Angst, sich bei der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel anzustecken. Sehr große Ängste sind bei denjenigen vorhanden, die in Gemein- schaftsunterkünften leben (müssen). Leider sind viele Fragen, die sonst kompetent von anderen Anlaufstellen z.B. zu den Themen Arbeit, Aufenthalt, Wohnen bearbeitet werden, jetzt aufgrund von Schließungen nicht mehr direkt stellbar. Hier ist die Verfüg- barkeit einer Sprachmittler*in eine große Erleichterung für unsere Klient*innen. Wir machen gute Erfahrungen damit, hier zum einen grundsätzliche Informationen weiter- zugeben – aber auch, wie gewohnt, wo immer möglich auf muttersprachliche Angebote und Informationsquellen hinzu- weisen oder auf Kolleg*innen, die ebenfalls mithilfe von Sprachmittler*innen zu bestimmten Fragestellungen kompetenter Auskunft geben können als wir selbst. Für die Therapeut*innen unter uns, so unser Ein- druck, ist es auch im telefonischen psycho- therapeutischen Gespräch „zu dritt“ gut möglich und hilfreich, eher sozial- arbeiterische oder aufenthaltsrechtliche Fragestellungen weiterzuleiten an die entsprechenden Fachkräfte und dann zu therapeutischen Ansätzen zurückzukehren. Hilfreich sind für uns hier die bereits eingeübte Arbeit im Tandem Sozial- pädagogik/Psychotherapie oder Verfahrens- beratung, sowie die bestehenden guten Kontakte zu einer Vielzahl von haupt- und ehrenamtlich arbeitenden Kolleginnen und Kollegen. Therapeutisches. Unabhängig vom schulischen Hintergrund der Therapeut*in finden wir es hilfreich, die Telefonate stark zu strukturieren und eine sehr aktive Gesprächsführung zu verfolgen. Auch zu Beginn der Telefonkonferenz zu dritt, nachdem alle einander begrüßt haben und sich nach der Gesundheit der anderen erkundigt haben, ist es sinnvoll, dass die Therapeut*in (auch die Berater*in) noch einmal die Gesprächsregeln für alle wiederholt – z.B. dass die Aufgabe der Sprachmittler*in ausschließlich das Dolmetschen ist, dass immer nur eine Person auf einmal redet, dass bei Verwirrung zum Beispiel nachgefragt wird… Sowohl für die Beratung wie auch ins- besondere für die Therapie gilt, dass es gut ist zu betonen, dass von Seiten der Therapeut*in und der Sprachmittler*in aus ausreichend Zeit zur Verfügung steht für die Fragen, Sorgen und Gesprächswünsche der Klient*in. Viele Klient*innen scheinen zu erwarten, dass ein Telefonkontakt zu dritt automatisch kurz sein wird und man so schnell wie möglich konkrete Inhalte besprechen muss, um die Zeit der Sprach- mittler*in wie auch der Therapeutin nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen. Ein entlastender Hinweis kann hier sein, dass es sich bei dem Telefonat für Therapeut*in sowie Sprachmittler*in ja – wie bei Face-to- Face-Kontakt auch, um für beide (bezahlte) Arbeitszeit handelt. Mit manchen Klient*innen ist es aber auch wichtig, eine ungefähre Maximalzeit des Telefonats anzugeben, damit sie sich nicht verlieren im Gespräch. Ein gutes Gespür der Therapeut*in für die aktuelle emotionale Belastung des Gegen- übers (auch die der Sprachmittler*in) ist sehr nützlich, um einzuschätzen, inwieweit unter diesen Umständen schwierige Inhalte vertieft werden können, da ja ein „Auffangen“ in dieser Konstellation kaum möglich ist. Trotzdem scheint es wichtig, dass auch Schweres und Schwerstes, wie zum Beispiel die Sorge um Angehörige in den Herkunfts- ländern oder in anderen Fluchtländern zur Sprache kommen darf – oder die Ver- schiebung lang herbeigesehnter oder befürchteter Termine wie Terminen bei den Botschaften im Rahmen der Familien- zusammenführung, Härtefallkonferenzen oder Gerichtstermine. Wenn hier Formulierungen gefunden werden können von der Therapeut*in, ihre Anteil- nahme in Worte zu fassen – und dann aber wieder z.B. zu konkreten Fragestellungen des Tages überzugehen, so können die Klient*innen dem in der Regel gut folgen zu können und scheinen entlastet. Konkrete Hilfen zur Tagesstrukturierung, Einüben von Entspannungsübungen, Aktivitätenaufbau in- und außerhalb des Hauses (zB Spaziergänge, Joggen, Malen, Erstellen von Audios und Videos, Online- Deutschlernangebote) im Sinne von therapeutischen Hausaufgaben sind Anregungen, die die Klient*innen gerne aufnehmen. Psychoedukative Elemente zum Zusammenhang von körperlicher Bewegung, Nahrung, „frischer Luft“ und der Stärkung des Immunsystems stoßen auf großes Interesse – ein Basiswissen dazu ist nicht in jedem Fall voraus zu setzen. Viele Geflüchtete scheinen jetzt zu denken, dass bereits der Aufenthalt im Freien gefährlich ist und ziehen sich ganz in ihre Wohnungen zurück – mit den bekannten Gefährdungen für die psychische und physische Gesund- heit. Wir haben daher gute Erfahrungen damit gemacht, die Gespräche mit der Frage zu eröffnen, wo die Klient*in sich gerade befindet, wie es ihr in dieser Zeit der Corona- Krise gerade geht, was sie zu der Gefährdung durch den Virus und die Folgemaßnahmen denkt und wie sie oder er infolge dessen gerade den persönlichen Alltag gestaltet. Dabei erscheint es besonders in dieser Gesprächskonstellation gut anzukommen, wenn wir darauf hinweisen, dass sowohl die Gesamtsituation wie auch die spezielle Gesprächssituation „Telefontherapie zu dritt“ für alle Beteiligten neu ist, auch für die Therapeut*in, und somit die Kompetenzen aller drei gebraucht werden, damit das Vorhaben gelingen kann. Zusammenfassendes. Zusammenfassend möchten wir ermutigen, im sozial- pädagogischen wie auch im psycho- therapeutischen Kontext Telefonate mit geflüchteten Menschen unter Einsatz von Sprachmittler*innen anzubieten. Viele Geflüchtete sind sehr alleingelassen in dieser Krisensituation, und der deutschen Sprache noch nicht ausreichend mächtig zu sein verstärkt Verwirrung, Angst und psychische Belastung in der Regel massiv. Fast alle derjenigen, denen wir unser Gesprächs- angebot ermöglichen konnten, wollten dieses daher auch in Anspruch nehmen. Die Rückmeldungen derjenigen Klient*innen, die bereits Telefonate zu dritt erlebt haben, sind durchweg positiv. Erfreulicherweise trifft dies auch zu für die Rückmeldungen unserer Sprachmittler*innen. Für uns als Berater*innen und Psychotherapeut*innen verlangt die ungewohnte Kommunikations- form einiges an Umstellung und die Bereit- schaft, sich auf Neues einzulassen. Dies ist nicht ganz einfach in dieser Zeit, in der wir selbst ja auch mittendrin sind in Unsicherheit und Krise. Gleichzeitig ist aber guter Kontakt möglich, Gemeinsamkeit, Hilfreich sein können für andere, und gar nicht so selten sogar auch mal „Lachen zu dritt“. Auch für uns Helfende eine gute Erfahrung… Herzliche Grüße Petra Mattes Diplom-Psychologin | Psychosoziales Zentrum für Flucht und Trauma des Caritasverbands Mainz e.V.